27/07/2020
Die Wohnungssuche in Japan
Ein großes Problem für Leute, die gerade erst nach Japan gekommen sind, stellt oft die Wohnungssuche dar. Offizielle Quellen, wie zum Beispiel der „Guide to Living in Japan“, vom Japanischen Außenministerium veröffentlicht, und unter anderem auch auf der Webseite der japanischen Botschaft in Deutschland zu finden, empfehlen zu diesem heiklen Thema lediglich, dass man zu einem Immobilienmakler gehen möge. Darüber hinaus solle man Anzeigen in Läden und Magazinen überprüfen.
Wer schon einmal in Japan nach einer Wohnung gesucht hat, der weiß, dass dies nicht so einfach geht wie der Guide to Living in Japan vermuten lässt. Besonders in den größeren Städten ist Wohnraum knapp und begehrt. Japanische Vermieter haben also oft mehrere Anwärter für eine Wohnung. Viele der Vermieter entscheiden daher eher für den japanischen Mieter, der die Immobilie langfristig bewohnt, als für den ausländischen Mieter, der vielleicht nach weniger als einem Jahr schon wieder weiterzieht. Als persönliche Anekdote kann ich außerdem berichten, dass in der japanischen Immobilienbranche ein eher raues Klima herrscht und viele Vermieter fortgeschrittenen Alters sind, was dazu führt, dass Vorurteile Ausländern gegenüber weit verbreitet sind. Das Bild des lauten und dreckigen Ausländers, der nicht weiß wie er den Müll zu trennen hat oder übel-riechendes Essen kocht ist nach wie vor weit verbreitet. Theoretisch kann man sich an ein „Human Rights Counseling Office“ wenden, wenn man das Gefühl hat, dass man bei der Wohnungssuche diskriminiert worden ist. In der Realität haben diese Beratungsstellen aber wenig bis keine Autorität und können einem daher lediglich raten, weiter zu suchen bis man eine Wohnung gefunden hat die Ausländer akzeptiert. Natürlich diskriminieren nicht alle Vermieter und Makler Ausländer, aber gerade bei der Wohnungssuche berichten viele Menschen, egal welcher Herkunft, von Benachteiligung gegenüber Japanern. Auch unter Personen, die sich längerfristig in Japan aufhalten, die Sprache beherrschen und sich an das japanische Leben angepasst haben, benutzen viele entweder speziell auf Ausländer spezialisierte Makler, oder sie mieten im Namen eines japanischen Mitbewohners.
Besonders, wenn man gerne eine Wohngelegenheit sicher haben möchte, bevor man nach Japan kommt, ist es schwierig dies über einen Makler im Voraus zu erledigen. Wenn man nur für ein Working Holiday oder für die Jobsuche nach Japan kommt, gibt es hier noch weniger Angebot. Wenn man zum Beispiel von der Firma nach Japan versetzt wird, gibt es Services, die sich um die Wohnungssuche kümmern können, diese sind aber im Normalfall sehr teuer. Viele Menschen verbringen daher die erste Zeit in Japan oft in Hotels, Hostels oder Guest Houses. Außerdem avanciert besonders das so genannte „Share-house“ zur Rettung vieler ausländischer Wohnungssuchenden. Unter dem Namen „Share-house“ werden in Japan alle möglichen Wohnsituationen zusammengefasst. Größe und Angebote sind sehr verschieden, angefangen bei WG ähnlichen Wohnungen, bis hin zu ganzen Wohnheimen mit Etagenbetten und 12 Personen pro Zimmer. Im Allgemeinen gilt aber, dass gewisse Dinge geteilt werden, etwa das Bad und die Küche. Die Räumlichkeiten sind meistens möbliert. Die Managementfirmen, die sich um die Verwaltung und Erhaltung kümmern, sind meist sehr offen gegenüber ausländischen Mietern. Darüber hinaus sind die Mieten erschwinglich, man muss keine exorbitanten Gebühren im Voraus bezahlen und Strom/Wasser sind meistens als Pauschale bereits in der Miete enthalten. Bekannte Firmen sind Oakhouse und Sakura House, aber es gibt viele verschiedene Managementfirmen, eine Google Suche sollte mannigfaltige Ergebnisse bringen. Viele der Firmen können auf Englisch kontaktiert werden, und bieten Raumreservierungen auch online, bevor man überhaupt in Japan ist, an. Es ist definitiv eine Hilfe, wenn man bereits im Voraus einen festen Wohnsitz sicher hat.
Natürlich gibt es auch Nachteile bei einem share-house. Dank der günstigen Miete muss man oft bei der Lage Abstriche machen, die nächste Bahnstation, der nächste Supermarkt oder der nächste Convenience Store ist oft etwas weiter weg. Außerdem ist der Zustand der Häuser sehr unterschiedlich, manche sind gerade erst gebaut oder frisch renoviert, andere können dagegen älter und schmutziger sein. Vielleicht am wichtigsten ist aber, dass die Lebensqualität in einem share-house sehr stark von den Mitbewohnern abhängt. Wenn man Frühaufsteher ist, aber die Mitbewohner spät abends aus dem Club nach Hause kommen und im Flur laut sind, kann das starke Auswirkungen auf das eigene Empfinden von Lebensqualität haben.
Letztlich ist es aber doch das share-house, was unter vielen Ausländern die erste Anlaufstelle für den Aufenthalt in Japan bleibt. Man kann schnell und einfach einziehen, und wenn man die Nase voll hat kann man meistens innerhalb eines Monats auch wieder ausziehen. Auch wenn man während seinem Working Holiday verschiedene Regionen Japans erleben möchte, bietet einem das share-house hier die nötige Flexibilität. Und falls man sich doch für einen längeren Aufenthalt entscheidet, dann kann man sich immer noch nach einem Apartment umsehen.
Ich hoffe, dass dies für den ein oder anderen hilfreich war. Wenn ihr Fragen habt oder eure Erfahrungen teilen möchtet, schreibt doch einen Kommentar oder kontaktiert uns direkt.