19/06/2026
☕️ Kaffee bei Demenz: Beruhigung oder Unruhestifter?
Kaffee am Spätnachmittag – bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz ist das ein vieldiskutiertes Thema. Oft wird dazu geraten, ab dem Nachmittag komplett auf Koffein zu verzichten, um abendliche Unruhe oder Schlafstörungen nicht noch weiter zu verstärken. Doch die Realität in der Pflege ist meistens individueller als starre Regeln.
Grundsätzlich stimmt es, dass Koffein das sogenannte Sundowning – die typische Unruhe in den Abendstunden – befeuern kann. Allerdings gibt es in der Neurologie und Altersmedizin das Phänomen der paradoxen Wirkung: Bei manchen Menschen wirkt Koffein nicht aufputschend, sondern überraschenderweise genau gegenteilig – nämlich beruhigend.
💡 Biografiearbeit schlägt Pauschalurteile
In der Pflegepraxis zeigt sich immer wieder, wie wichtig die Lebensgeschichte der Betroffenen ist. Wenn jemand sein Leben lang abends eine Tasse Kaffee getrunken hat, vermittelt dieses feste Ritual oft so viel Vertrautheit und Sicherheit, dass es beim Entspannen hilft und den Schlaf sogar fördern kann.
Als allgemeiner Richtwert gilt: Am Spätnachmittag ist die koffeinfreie Variante meistens die sicherere Wahl. Doch der Blick auf die individuellen Gewohnheiten des Menschen verrät oft viel mehr als jedes Lehrbuch.