06/09/2022
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Die Alarmglocken schrillen schon lange: Der demografische Wandel holt die Arbeitswelt ein. Das Angebot an Arbeitskräften in Deutschland verringert sich, viele Branchen klagen über einen akuten Fachkräftemangel. Man sollte meinen, nun würden auch die Älteren auf dem Arbeitsmarkt heiß umworben. Aber offenbar ist dem nicht so.
Jung, dynamisch, erfolgreich: Das scheint noch bei vielen Unternehmen das Credo zu sein. Das erleben auch wir als Personalberater: Noch immer gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die sich Kandidaten im Alter von maximal 50 Jahren wünschen. Dabei gibt es kaum vernünftige Argumente, die für eine Altersbegrenzung sprechen.
Einmal abgesehen davon, dass die Diskriminierung von Arbeitnehmer*innen wegen ihres Alters gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstößt, schaden sich die Unternehmen mit dieser Einstellung selbst.
Noch sind die geburtenstarken Jahrgänge beschäftigt. Aber wenn sie in Rente gehen, bricht mit einem Schlag das Know-how weg. Es gibt nicht genügend jungen Nachwuchs, der die Lücken füllen könnte. Die Zahl der älteren Beschäftigten wird dagegen zunehmen. Der demografische Effekt wird durch die Rente mit 67 noch verstärkt. Schon allein deshalb wäre es sinnvoll, auch auf Ältere zu setzen.
Die körperliche Leistungsfähigkeit der sogenannten „Silver Workers“ nimmt zwar ab, dafür bringen sie aber Qualitäten mit, die junge Beschäftigte noch nicht alle in diesem Umfang erworben haben können: vielfältige Erfahrung, jahrelang gepflegte Netzwerke, unter Umständen sogar mehr Flexibilität, weil die Familienplanung abgeschlossen ist, außerdem soziale Kompetenzen wie Verantwortungsbewusstsein, Toleranz oder persönliche Stabilität.
Auch qualitativ und wirtschaftlich kann sich das auszahlen: Altersgemischte Teams gelten als leistungsfähiger, gerade in komplexen, intellektuell anspruchsvollen Aufgabengebieten.
Das Gelingen haben die Unternehmen selbst in der Hand. Zum einen müssen die Verantwortlichen analysieren, wie sich Personalbestand und -bedarf entwickeln. Zum anderen müssen sie die Voraussetzungen für ein altersgerechtes Arbeiten schaffen. Dazu gehören nicht zuletzt ein gutes Gesundheitsmanagement, flexible Arbeitszeiten und eine vertrauensvolle Kommunikation. Nötig ist zudem eine sensible, vorurteilsfreie Führung, um die Generationen in den Teams zusammenzuhalten.
Eine solche Unternehmenskultur kann dann auch die Jüngeren wieder an das Unternehmen binden und das volle Potential von Talenten nutzen.
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