29/03/2023
Leserbrief an die Berliner Morgenpost von 29.03.2023
Guten Tag
Ich möchte mich heute, im Namen unserer Firma, zu der aktuellen Diskussion über die Arbeitnehmerüberlassung in der Pflege äußern.
Ich war selbst als Altenpfleger über 15 Jahre in der Pflege tätig. Davon 10 Jahre bei der Diakonie und 5 Jahre selbst als Leasingkraft.
Über Jahrzehnte hinweg hat es die Politik nicht für nötig gehalten, die Bedienung in der Pflege zu verbessern.
Ganz im Gegenteil die Zustände sind immer katastrophaler geworden.
Gleiches gilt für die Arbeitgeber der großen Wohlfahrtsverbände...
Hier wurden über Jahrzehnte ganz bewusst, auf dem Rücken von unterbezahlten Personal, unfassbare Gewinne erzielt, die dann natürlich wieder in neue Einrichtungen investiert wurden.
Das diese jetzt eben diese Arbeitgeber, gerne wieder hierzu zurückkehren würden, ist gut nachvollziehbar.
Es ist weitreichende seit spätestens 2000 bekannt, dass wir aufgrund der demografischen Entwicklung auf einen Pflegenotstand zusteuern!
Nun der Zeitarbeit die Schuld für politisches Versagen zu geben ist reine Heuchlerei.
Wir haben nicht nur die Bezahlung, sonder vor allem die Arbeitsbescheinigung verbessert!
Wir bringen unseren Pflegekräften Wertschätzen unsere Verständnis entgegen, was davor nie der Fall war.
Der Pflegenotstand ist den katastrophalen Arbeitsbedingungen und den letzten 3 Gesundheitsreformen geschuldet.
Diese wurden immer schön still und heimlich während der Fußball WM oder eines anderen großen Events verabschiedet.
Die Pflege und das ganze Gesundheitswesen wurde vorsätzlich immer weiter ausgedünnt um Gelder zu sparen.
Der neue "Mindestlohn" in der Pflege ist absolut lächerlich und so knapp über dem Mindestlohn für ungelernte, das die Zustände bald noch schlimmer werden.
Die Freiberuflichkeit in der stationären Pflege wurde unter dem fadenscheinigen Grund der "Scheinselbständigkeit" ebenfalls verboten, obwohl dieses Gesetz eigentlich Arbeitnehmer schützen soll.
Während der Corona Pandemie haben wir mit unserem Personal überwiegend Corona Stationen abgedeckt, da viele Festangestellte bereits ausgefallen waren.
Über 50% unserer Mitarbeiter sind Minijob Mitarbeiter, die zu ihrer hauptberuflichen Tätigkeit im Krankenhaus noch zusätzliche Dienste arbeiten, um halbwegs über die Runden zu kommen.
Gerade diesen Kräften ist es zu verdanken, dass unser Gesundheitssystem noch halbwegs funktioniert.
Ich wäre auch gerne jederzeit zu einer persönlichen Stellungnahme zu dem Thema bereit.
Mit freundlichen Grüßen
Thilo Würkner
Geschäftsführender Gesellschafter
Care4Berlin Personal UG