22/07/2017
Na? Persönlich mit Napoleon im Taufbecken geplantscht?
Arbeitnehmer 50+ haben es auf dem Arbeitsmarkt immer schwerer. Dies wird ein Plädoyer für Arbeitnehmer 50+. Ein Plädoyer für mehr Wertschätzung. Ein kurzes Rufen in den Digital-Dschungel.
Wir sind Headhunter im Medien-Business. Seit satten 30 Jahren. Die Digitalisierung fegt schon seit geraumer Zeit durch unsere Branche. Der Jugendwahn schlägt um sich. Jünger gleich besser und billiger. Ist durchaus auch manchmal der Fall. Aber manchmal halt eben doch nicht. Versteht mich nicht falsch. Junge Menschen leisten enorm viel, sind immer besser ausgebildet und in vielen Jobs braucht es nun halt jugendliche Unbekümmertheit und juvenilen Ehrgeiz. Aber wir erleben es leider viel zu oft, dass auch ältere Arbeitnehmer mit Top CV, guter Weiterbildung und hoher Einsatzbereitschaft der Alters-Guillotine zum Opfer fallen. Wieso eigentlich? Die haben was auf dem Kasten. Logo nicht alle. Aber ein paar definitiv. Wieso? Here we go:
1. Sie sind leistungsbereit und haben oftmals schon eine Karriere hinter sich. Sie müssen sich und Ihrem Umfeld nichts mehr beweisen. All die tollen Karriere-Tipps von Manager-Magazinen, aktuell zum Beispiel "mit 10 Stunden Schlaf pro Tag in den Vorstand" oder "2 Äpfel am Tag machen Dich fit für den Krieg am Schreibtisch" sind Peanuts. Die Damen und Herren haben noch den "Kleinen Macchiavelli' und die "Kunst des Krieges" von Sunzi gelesen. Da kommen auch die "5 ultimativen Karriere-Tipps von Dieter Bohlen" nicht dagegen an.
2. Sie bringen Ruhe und Gelassenheit in ein Unternehmen. Was nicht mit Gemächlichkeit zu verwechseln ist! Zuerst mal innehalten und dann entscheiden, ist eine positive Eigenschaft. Erfahrung macht klug und schützt vor Schaden. Auch wenn alle Unternehmen jetzt die Fehler-Kultur fördern wollen...Wenn es dann mal soweit ist und Fehler passieren, ist es trotzdem dann oft auch gleich der Letzte. Vor allem in der Schweiz und Deutschland.
3. Ich persönlich bin immer wieder erstaunt, wie fit auch die ältere Generation beim Thema Digitalisierung ist. Die können was und wenn Sie es nicht können, lernen Sie es. Donald Trump ist 70+ und regiert mit Twitter! Macron kann das mit seinen 39 Lenzen nicht!
Es gibt noch viele andere Gründe. Aber ich denke Ihr wisst worauf ich hinaus will. Zudem lahmt mein Finger vom Tippen. Ich komme zum Fazit.
Wir beurteilen jedes Mandat individuell und richten uns nach den Wünschen der Kunden. Aber wir sind nicht nur Erfüllungsgehilfen sondern auch Berater. Natürlich macht es nicht Sinn, nun nur noch ältere Arbeitnehmer einzustellen. Ein junges Startup braucht keinen 65jährigen Strategie-Chef. Aber in vielen Firmen die mitten in der Digitalisierung stecken und die nun beschliessen einfach ein paar "junge Hunde von Rocket Internet" einzustellen die Ihnen mal Social Media und allgemein Internet und so erklären, klappt nicht. In Fällen wo etablierte Firmen neue Impulse brauchen, empfehlen wir oftmals "erfrischende Jugendlichkeit gepaart mit praktischer Erfahrung". Die Mischung macht's! Man denke an Usain Bolt und seinen Trainer Glenn Mills, Zuckerberg und seine Sandberg und von mir aus auch an Heidi Klum und Ihren Vito... ah ja und lasst uns Donald und Melania nicht vergessen.
Die Generation 50+ hat ja auch echt schon was gerissen! Die haben die 70er Jahre überstanden. Das war damals nicht nur freie Liebe, "Der Pate" im Autokino und Grateful Dead in der Endlosschlaufe sondern eben auch Ölkrise, Richard Nixon und ABBA. Die können was wegstecken!
Ich beschäftige mich mit Themen wie Arbeitswelt 4.0, Frauenquote, Ausbildung und der Digitalisierung intensiv. Auch unser Business ändert sich radikal. In jungen Start-ups und in gewissen Teams macht es nun mal halt keinen Sinn ältere Arbeitnehmer einzustellen. Aber denkt zumindest mal darüber nach. Ich tue es. Täglich. Heute sogar hier.
Philip Hofmann